Auf der Reeperbahn morgens um halb zehn

Das gibt es nur einmal in Deutschland und nur in Hamburg: Während die letzten Nachtschwärmer nach durchzechter Nacht mit dem aufrechten Gang kämpfen, rasen direkt daneben die Speedskater mit 40 km/h über die gesperrte Reeperbahn. Kein Wunder, dass der hella hamburg halbmarathon, der am Sonntag zum sechzehnten Mal ausgetragen wurde, zu den attraktivsten Veranstaltungen in Deutschland zählt. Und er ist das teilnehmerstärkste Rennen ohne besonderes Prädikat.

Mehr als 500 Inlineskater stehen auf zwei Fahrbahnen zum Startschuss um 9.30 Uhr bereit, die internationale Speedelite vorne, die zahlreichen Breitensportler dahinter. Selbst zwei der weltbesten Speedskater aus Neuseeland, Kalon Dobbin und Scott Arlidge (beide vom Team Powerslide), hatten sich auf den Weg nach Hamburg gemacht. In einer großen Runde geht es durch St. Pauli, vorbei am Fischmarkt und nach einer noch einmal über die Reeperbahn. Spätestens jetzt kapieren die zahlreichen Zaungäste, die nicht gerade wegen eines Sportevents diesen Teil Hamburgs frequentieren, dass sie nicht unter Halluzinationen leiden. Diese bunt gekleideten Wesen, die auf sirrenden Rollen dahin rasen, sind echt.

Für die Skater zählt ohnehin nur, die richtige Gruppe zu finden, im Windschatten Geschwindigkeit aufzunehmen und vielleicht bei passender Gelegenheit einen Ausreißversuch zu unternehmen. Am besten bekommen das an diesem Sonntag die beiden Favoriten aus Ozeanien, die den Sieg (35:33,75 min) und Platz 2 heimfahren können. Bereits auf der ersten Runde können sie sich gemeinsam mit Sebastian Rehse (Etap-Race-Team), der am Ende Dritter wird, und Lokalmatador Sören Harder (Team Speedlager.de) vom Rest des Feldes absetzen. Diese vier bleiben fast das gesamte Rennen zusammen.

Spannende Positionskämpfe beherrschen die 21 km vorbei am Hafen, an der Binnen- und an der Außenalster bis zum Ziel auf der Rothenbaumchaussee in unmittelbarer Nähe der bekannten Tennisarena. Die lange, leicht ansteigende Zielgerade ist geradezu dafür prädestiniert, dass diejenigen, die sich bei der Tempojagd noch die meisten Körner aufbewahrt haben, in einem Schlussspurt ihren Konkurrenten die Rollen zeigen.

Erst auf den letzten drei Kilometern ziehen Dobbin und Arlidge das Tempo noch einmal an, so dass Harder, der zuvor viel Tempoarbeit geleistet hatte, abreißen lassen muss. Auf der Zielgeraden lassen die Powerslide-Teamkollegen ihrem deutschen Konkurrenten keine Chance, noch vorbeizuziehen. „Die Zielgerade hätte etwas länger sein müssen, dann hätte ich es noch schaffen können“, meint Rehse nach dem Rennen. Den Sprint des Feldes gewinnt mit etwas mehr als eineinhalb Minuten Rückstand der Bruder des Dritten, Felix Rehse.

Das Rennen der Damen ist fast ein Spiegelbild zu dem der Herren. Auch hier setzt sich schon sehr früh eine Fünfergruppe nach vorne ab. Linda Schwickardi vom Sebamed-Inline Team, Sylvia Ordowski und Ulla Hingst (beide Team der-rollensho.de), Annika Gentz (K2) und eine ist weitere Fahrerin, die aber bereits auf der ersten Runde den Anschluss verliert, bestimmten die Rennpace. Schwickardi gewinnt am Ende mit deutlichen 1,5 sec vor den beiden Rollenshop-Fahrerinnen. Erst knapp zwei Minuten später kommen dann die Verfolgerinnen am Rothenbaum an.

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