News

25.06.2007
"VIEL SCHöNER ALS IN DER PRäRIE"

Hamburg  (von Dirk Steinbach) - Wenn die Phrase von den dazwischenliegenden Welten einmal zutraf, dann beim gestrigen Zieleinlauf des 13. Hella-Hamburg-Halbmarathons. Scheinbar mühelos zog Elijah Keitany an vielen tapfer kämpfenden Mitstreitern auf der Rothenbaumchaussee vorbei. Der Kenianer war dabei wohlgemerkt zu Fuß unterwegs, die anderen (Breiten-)Sportler auf Rollen. Ihren 15-minütigen Vorsprung vom Start auf der Reeperbahn hatten die Inliner längst aufgebraucht.

In 1:04:36 Stunden stellte Keitany eine neue Laufbestzeit für den Kurs durch die Innenstadt auf. Der Veranstaltungsrekord bleibt allerdings in den Händen des Brandenburgers Stephan Freigang, der 1997 auf der alten Strecke am Stadtpark knapp zwei Minuten schneller unterwegs war. 500 Euro erhielt der 23-Jährige Afrikaner für seinen Erfolg. Eine Summe, bei deren Bedeutung wohl auch Welten zwischen den meisten deutschen Startern und Keitany liegen: "In Kenia ist das viel Geld", erklärte der Sieger, der auf Dauer auch beim Hamburg-Marathon auftrumpfen möchte.

Eine, die sich von den schnellen Läufern nicht einholen lassen wollte, war Birgit Janthur aus Hoisdorf. Angefeuert von ihren Söhnen Finn und Till, Tochter Anna-Lina sowie Ehemann Stefan, schaffte sie es noch vor Keitany sowie der schnellsten Frau in Turnschuhen, Ednah Mukhwana (Kenia), ins Ziel. "Ich hatte schon befürchtet, dass sie mich einholen könnten", erzählte die 42-Jährige. "Da hab ich gesehen, dass ich wegkomme."

Besonderen Spaß bereitete Janthur die Stimmung an der Strecke. Zwischen 15 000 und 20 000 Menschen feuerten laut Veranstalter die Halbmarathoni mit Rasseln, Tröten und Händeklatschen an. "Besonders die Trommler am Start und am Hauptbahnhof waren toll", sagte die Inlineskaterin. Die schnellsten Renner auf Rollen werden davon kaum etwas mitbekommen haben. Mit bis zu 60 km/h jagten sie zeitweise dem Ziel entgegen. Ein neuer Rekord sprang dennoch weder für die Siegerin bei den Frauen Britta Vantournhout aus Belgien noch für den Dänen Christian Hartz heraus, der das Inlinerennen der Männer vor seinem Zwillingsbruder Peter gewann.

Dritter wurde der Hamburger Sören Harder (Halstenbeker TS). Der 19-Jährige Lokalmatador aus Stellingen wurde von seinen Eltern am Straßenrand unterstützt. "Ein Heimrennen ist natürlich viel schöner als ein Lauf irgendwo in der Prärie." Wer die Straßen seiner Stadt kennt, hat gerade bei den Inlinern einen Vorteil, weiß er doch, wo gefährliche Stellen wie Schienen und Kopfsteinpflaster lauern.

Ihren Heimvorteil nicht ausnutzen konnte Manuela Sporleder. Zwar gelang der Läuferin vom Hamburger Sportclub mit Rang drei ebenfalls eine Platzierung auf dem Treppchen, wirklich zufrieden war die 35-Jährige damit allerdings nicht. "Meine Zeit war einfach sehr schlecht." Sporleder brauchte, geschwächt durch eine Stoffwechselkrankheit, 1:27:06 Stunden und damit fast fünf Minuten länger als die erstplatzierte Kenianerin. Aus Sicht einer Ausdauerspezialistin eben auch eine Welt.

erschienen am 25. Juni 2007 im Hamburger Abendblatt