Nach fast drei Jahrzehnten endet ein prägendes Kapitel des hella hamburg halbmarathon: Der Skatewettbewerb wird künftig nicht mehr angeboten. Zeit für einen Rückblick auf 28 Jahre Rollgeschichte. Was 1996 als Zusatzangebot begann, entwickelte sich über viele Jahre zu einer festen Größe im deutschen Inline-Rennsport – mit nationaler und internationaler Strahlkraft.
Seine Premiere feierte das Skaten bei der zweiten Auflage des Hamburg-Mannheimer-Cups (so der ursprüngliche Name des hella hamburg halbmarathon). Das 10-Kilometer-Rennen in der City Nord rund um den Stadtpark lockte 996 Skater:innen an den Start. 996 Teilnehmende feierten die Premiere, die Sieger:innen hießen Caroline Maurer (GER) und Bill Kerby. (USA).
Bereits im darauffolgenden Jahr wurde das Rennen in den German Inline Cup aufgenommen. In dem Zuge wurde die Strecke auf die Halbmarathondistanz erweitert. Das brachte jedoch neue Herausforderungen mit sich: Der 5-km-lange Rundkurs führte zu zahlreichen Umrundungen, was das damals eingesetzte Zeitmesssystem in Kombination mit dem ChampionChip an seine Grenzen brachte. Die Folge waren etliche Ergebnisreklamationen.
1998 reagierte man: Das Skaten wurde vom Laufen getrennt und auf den Vorabend verlegt. Mit Erfolg: Von 2.800 Teilnehmenden entfielen 1.057 auf die Skater:innen. Ein Konzept, das jedoch nicht von langer Dauer sein sollte. Durch die Lockerung des Ladenschlussgesetzes im Jahr 2003 konnten für die inzwischen in die Innenstadt verlegte Veranstaltung keine Genehmigungen mehr erlangt werden. Die Konsequenz: Das Skaten wanderte zurück auf den Sonntag und fand erneut in Kombination mit dem Laufen statt.
Sportlich sorgte das Rennen früh für Furore. 1999 stellten die Brüder Benjamin und Christoph Zschätzsch zeitgleich mit 33:09 Min. den damaligen deutschen Rekord auf, der lange Bestand haben sollte. Ob es an der Verlegung der Ziellinie auf eine lange Zielgerade lag? Eine der ersten Maßnahmen, die gezielt zur Verbesserung des Skaterennens getroffen wurden.
In den Folgejahren boomte der Inline-Sport. Als Konsequenz wurde 2001 mit dem HafenCity InlineMarathon ein erstes Standalone-Event über die Marathondistanz eingeführt. Wiederum ein Jahr später fand die Premiere der Jever Blade Challenge statt. Die hochdotierte Rennserie ließ ein internationales Spitzenfeld um Preisgelder in Höhe von 65.000 Euro kämpfen.
Doch mit dem Rückzug von Sponsoren und Förderung sowie sinkenden Teilnehmerzahlen geriet der Sport in den späten 2000er-Jahren in eine Krise. Der hella hamburg halbmarathon hielt dem Skaten dennoch die Treue und blieb über Jahre ein verlässlicher Bestandteil des German Inline Cups. Für konstant rund 500 Teilnehmende war das Rennen bis zuletzt das größte seiner Art in Norddeutschland und garantierte ein hohes sportliches Niveau.
Seit dem Umzug der Strecke in die Innenstadt im Jahr 2003 galt der Kurs als vergleichsweise anspruchsvoll, begeisterte mit einigen herausfordernden Passagen. Allen voran die berüchtigte Altonaer Abfahrt im ersten Drittel der Strecke: eine rund 600 m lange Gefällestrecke, die in eine S-Kurve mündete, in der Spitzensportlerinnen und -sportler Geschwindigkeiten von über 60 km/h erreichten. Auch im weiteren Verlauf erforderten einige 90°-Kurven viel Balance und Stabilität von den Athlet:innen, während die letzten 1½ Kilometer fast ausschließlich bergauf verliefen. Wer hier nicht taktisch fuhr und sich Körner für den Schlussspurt aufsparte, büßte am Ende Plätze ein. Erschwerend kamen leider zunehmend die schlechten Zustände des Hamburger Straßennetzes hinzu, die eine Eignung für den Inline-Spitzensport immer weniger zuließen.
Unvergesslich wird jedoch der Auftritt von Angeline Thomas im Jahr 2006 bleiben: Die Australierin kündigte vor dem Start einen neuen Streckenrekord an und lieferte prompt ab. Mit 35:21,44 Min. setzte sie die bis heute gültige Bestmarke. Bei den Herren siegte ihr Partner Michael Byrne, der 13 Sekunden vor ihr ins Ziel kam.
Insgesamt wurden – die pandemiebedingt ausgefallenen Jahre ausgenommen – 28 Skaterennen ausgetragen. Rekordsieger ist Olympionike Felix Rijhnen (GER) mit fünf Erfolgen (2017, 2022–2025), darunter zwei Streckenrekorde, zuletzt 2023 in 31:40,46 Min. Ebenfalls fünf Siege feierte Simone Kohls (GER), die nach ihrer Inline-Karriere im Functional Fitness durchstartete und auch hier internationale Erfolge erzielen konnte.
Mit dem Sommer 2025 endet vorerst eine Ära. Noch einmal gelang es, mit der Austragung der Deutschen Meisterschaften ein sportliches Ausrufezeichen zu setzen. Der Skatewettbewerb war über Jahrzehnte Teil der Identität des hella hamburg halbmarathon. In der gesamten Geschichte zählte die Veranstaltung insgesamt über 15.000 rollende Teilnehmer:innen.
To the glory and the story: Let the trumpets play!